Mit Romantik hatte der Name nichts zu tun, ganz im Gegenteil:
Auf den Mondschein warteten einst im Winter die Fuhrleute, wenn sie bei Lawinengefahr den Arlberg passieren wollten. Und viele werden just in diesem Haus gewartet haben, weil es ein paar Jahrhunderte lang das letzte Wirtshaus vor dem letzten und langen Steilstück des Passes war.
Vielleicht aber ist just im Jahre des Herrn 2006 die Romantik in dieses alte, sehr ehrwürdige Haus eingezogen, wie das folgende wahre Märchen beweisen kann:
Bekannt, ja berühmt gemacht wurde der Gasthof Mondschein von seinem Patron Werner Walch, den man bereits vor Jahrzehnten den „Bocuse vom Arlberg“ nannte, weil er die Nouvelle Cuisine importierte, daraus den eigenen Mondschein – Stil entwickelte, natürlich auch einer der ersten Sommerliers am Arlberg war und sich immer wieder eine Haube erkochte.
Als dieser stattliche silberhaarige Patron über 70 Jahre alt wurde, dachte er daran, das Haus zu verkaufen. Seine junge, besonders fesche Tochter Eva-Maria, seit 5 Jahren in der Wiener Werbeszene aktiv, wollte und konnte dabei nicht zuschauen:
„Ich werde an meinem Elternhaus nie mehr vorbeigehen können, wenn das ein Anderer macht“ sagte sie damals, kam als Quereinsteigerin zurück, lernte schnell und übernahm das Haus vor drei Jahren – um zwei Jahre später resignierend feststellen zu müssen, dass es einfach zu viel für sie wurde.
Also verkaufte Werner Walch doch und ein anderer kam: Markus Kegele aus dem vorarlbergischen Brand bei Bludenz. Schon seine Urgroßeltern haben Zimmer vermietet, er absolvierte die Hotelfachschule in Innsbruck, arbeitete unter anderem in Genf, München, Amsterdam, auf der Insel Guernsey, leitete die Schweizer Bodenseeschifffahrt, führte in Brand und in Obergurgl Hotels – „ich kann eigentlich nichts anderes“, gesteht er fröhlich, „und ich habe schon lange davon geträumt, selbständig zu sein!“
Von wegen „ich kann nichts anderes“ – er schrieb mit einer Kollegin das Buch „Die Hotel- und Gastromacher“, das auf der Frankfurter Buchmesse mit einer Silbermedaille der Gastronomischen Akademie Deutschlands ausgezeichnet wurde. Gold bekam Jamie Oliver…
Und nun führte der kleine Gott Amor Regie: Als Markus Kegele das „Mondschein“ gekauft hatte, konnte er es nicht gleich übernehmen, weil er noch ein halbes Jahr vertraglich in Oberurgl gebunden war.
„Also führte Eva-Maria das Haus noch einen Winter lang - und in Zukunft werden wir das Mondschein gemeinsam führen, weil ich hier das richtige Haus und in Eva-Maria auch die richtige Frau gefunden habe!“
Im Schlager heißt es zwar „Wunder gibt es immer wieder…“ aber Märchen wie das von Eva-Maria und Markus passieren doch eher selten. Zumindest in dieser Hinsicht muss man dieses Haus als echtes „Romantik – Hotel“ bezeichnen, in dessen Mauern irgendwo noch Gott Amor herumlungert…
Text von Prof. Dr. Theo Schäfer
in
Arlberg – Das Kochbuch zur Region
erschienen im
Tre Torri Verlag GmbH
ISBN: 3-937963-19-7